BLOGBEITRAG

Zeitenwende auch bei der Mobilität?

Allgemein, Bundesregierung

Herr Peltzer, einige halten hohe Energiepreise für „beste Werbung für Energiewende“. Sehen Sie das auch so?

Tatsächlich werden an den Zapfsäulen aktuell historische Höchststände erreicht. Das ist für mich aber kein Grund zu jubeln. Ich bedauere, dass in einigen Branchen wie im Taxigewerbe dadurch Unternehmer vor die Existenzfrage gestellt werden. Im Übrigen entziehen die hohen Energiepreise auch Kapital für Investitionen in Alternativen. Allerdings teile ich den Gedanken, der dahinter steht. Es braucht einen echten Anstoß, um die eingeübte und meistens funktionierende Mobilität mit dem Pkw zu hinterfragen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass wir in Deutschland ebenso die höchsten Strompreise in Europa haben und damit auch die E-Mobilität verteuern. Aus diesem Grund empfehlen wir unseren Mitgliedsbetrieben, die Mobilitätswende eher als strategischen Prozess zu betrachten und die Maßnahmen aus einem Mobilitätsplan zu entwickeln. Gut gemeinte Schnellschüsse wie die Ausgabe von Tankgutscheinen führen in eine Sackgasse.

Viele Manager geben zwar an, die Transformation der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit wichtig zu finden, setzen aber in den eigenen Unternehmen nur wenige der Möglichkeiten um. Woran kann das liegen?

Die Umsetzung in der Wirtschaft hat längst begonnen und ist nicht mehr aufzuhalten. Das zeigt auch das Interesse an den Informationsangeboten der IHKs. Aktuell ziehen Lieferengpässe die Aufmerksamkeit auf sich. Richtig ist allerdings, dass die verbindlichen Einsparungsziele für den Verkehrssektor nicht mit dem ausreichenden Schwung vorankommen. Daher glaube ich, dass es aktuell weder an einem Erkenntnisdefizit noch an der Bereitschaft zu konkreten Maßnahmen hapert.

Gerade im Mobilitätssektor steht der Mittelstand vor Umsetzungsfragen. Wir empfehlen, innerbetrieblich Kompetenzen auf- oder auszubauen, damit Maßnahmen auch erfolgreich werden. Von einer Ladesäule mit kostenlosem Strom auf dem Parkplatz fährt am nächsten Tag noch kein Mitarbeiter mit dem E-Auto zur Arbeit. Die häufigste Umsetzungsfrage lautet, wo die Verantwortung für solche Mobilitätsmaßnehmen im Betrieb angesiedelt werden soll. Die Antworten auf diese Frage bietet der Inhalt unseres IHK-Zertifikatslehrgangs zum „Betrieblichen Mobilitätsmanager (w, m, d)“.

Welche Hebel sind denn am größten? Oder ist es die Summe vieler kleiner Maßnahmen?

Am schnellsten wird die Transformation der betrieblichen Pkw-Flotten spürbar werden. Jeder zweite Neuwagen wird auf einen Betrieb zugelassen. Die steuerlichen Anreize haben bereits sehr schnell Wirkung gezeigt. Wenn die E-Mobilität in den Unternehmen angekommen ist, werden Betriebe nicht mehr um die Frage herum kommen, wie sie auch Ihre Mitarbeiter unterstützen können. Fragen der Mobilität werden aus der bisherigen Nische viel stärker in den Mittelpunkt bei der Personalgewinnung und -bindung rücken. Das positive Beispiel des E-Bike-Leasings hat doch gezeigt, wie stark und schnell die Sogwirkung eines Mobilitätstrends sein kann. In jedem zweiten Bewerbungsgespräch wird bereits danach gefragt. Kaum ein Arbeitgeber kann sich in Zukunft solchen Angeboten noch entziehen. Um so wichtiger ist, dass nachhaltige Mobilitätsmaßnahmen in einem systematischen Mobilitätsmanagement auf die Belegschaft und die Unternehmensziele abgestimmt sind.

Danke für das Interview.

Im Interview: Stefan Pelzer, Leiter des Netzwerkbüros und seit Jahren Impulsgeber und Umsetzer verschiedener Modellprojekte zur Betrieblichen Mobilität, die sogar auf Bundesebene adaptiert wurden.

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