Case-Study: Vom einzelnen Impuls zum strukturierten Mobilitätsmanagement
Wie Henning Voß den IHK-Zertifikatslehrgang nutzte, um Mobilität bei WEICON systematisch weiterzuentwickeln und in bestehende Unternehmensprozesse zu integrieren.
Betriebliches Mobilitätsmanagement beginnt nicht immer mit einem fertigen Projektplan. Manchmal steht am Anfang die persönliche Neugier – und die Erkenntnis, dass einzelne Maßnahmen allein noch kein schlüssiges Konzept ergeben.
So war es auch bei Henning Voß. Als Technical Manager sowie interner ISO- und Umweltauditor bei der WEICON GmbH & Co. KG in Münster begegnete ihm das Thema Mobilität immer wieder: als Bestandteil von Umweltmanagement, Nachhaltigkeit und internen Unternehmensprozessen.
Als WEICON den Nachhaltigkeitsbereich weiter ausbaute und eine Nachhaltigkeitsberichterstattung für die Unternehmensgruppe aufbaute, rückte auch die betriebliche Mobilität stärker in den Fokus.
2024 entschieden sich Henning Voß und ein Kollege für die Teilnahme am Zertifikatslehrgang zum Betrieblichen Mobilitätsmanager (IHK). Ihr Ziel: vorhandene Ansätze fachlich einordnen, neue Impulse aufnehmen und daraus ein strukturiertes Vorgehen für das Unternehmen entwickeln.
Mobilität als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie
WEICON beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit Nachhaltigkeit, Umweltmanagement und der Weiterentwicklung interner Abläufe. Im Zuge der Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde deutlich, dass Mobilität ein relevanter Bestandteil der unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie ist.
Auch vor dem Lehrgang gab es bei WEICON bereits erste Mobilitätsangebote. Dazu gehörten E-Ladepunkte auf dem Betriebsgelände, Fahrradleasing und erste Ansätze zur Förderung von Fahrgemeinschaften. Was jedoch fehlte, war ein übergeordnetes Konzept.
Für Henning Voß stellte sich deshalb weniger die Frage, ob WEICON bereits etwas im Bereich Mobilität unternahm. Entscheidend war vielmehr: Welche Maßnahmen passen zum Unternehmen, welche bringen einen konkreten Nutzen und wie lassen sie sich dauerhaft in bestehende Abläufe integrieren?
„Mobilität ist ein interessantes, aber oft unterschätztes Thema.“ Henning Voß, WEICON GmbH & Co. KG
Der Lehrgang als Impulsgeber
Henning Voß absolvierte den Lehrgang gemeinsam mit einem Kollegen. Viele Inhalte bestätigten Überlegungen, die es im Unternehmen bereits gab. Gleichzeitig eröffneten sich neue Perspektiven.
Der Lehrgang half dabei, Mobilität nicht nur als Summe einzelner Angebote zu betrachten. Stattdessen ging es darum, die Ausgangslage zu analysieren, Ziele zu formulieren, Maßnahmen zu bewerten und diese in ein nachvollziehbares Gesamtkonzept zu überführen.
Im Rahmen des Lehrgangs entstand ein umfassendes Teilkonzept mit mehr als 20 Maßnahmenvorschlägen. Einige davon wurden inzwischen umgesetzt oder weiterentwickelt.
Der entscheidende Mehrwert lag jedoch nicht allein in einzelnen Ideen, sondern in der neuen Systematik: Aus einzelnen Impulsen wurde ein geordnetes Vorgehen.
„Es gab immer wieder Punkte, die wir bereits umgesetzt hatten, aber auch sehr viele Erkenntnisse und Denkanstöße, auf die wir so nie gekommen wären.“ Henning Voß, WEICON GmbH & Co. KG
Von Einzelmaßnahmen zum strukturierten Vorgehen
Vor dem Lehrgang gab es bei WEICON bereits verschiedene gute Ideen und Angebote. Rückblickend beschreibt Henning Voß diese Phase jedoch eher als punktuelle Entwicklung.
Oft ist nicht das Fehlen von Maßnahmen das Problem. Vielmehr bestehen bereits Angebote, die historisch gewachsen, in unterschiedlichen Abteilungen angesiedelt oder aus einzelnen Anlässen heraus entstanden sind.
Betriebliches Mobilitätsmanagement bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Maßnahmen gleichzeitig umzusetzen. Es geht darum, bestehende Angebote einzuordnen, Bedarfe zu analysieren, Prioritäten zu setzen und die Umsetzung dauerhaft zu organisieren.
„Wir hatten auch vor dem Kurs schon einzelne gute Ideen. Das war allerdings eher auf Zuruf und kein wirkliches Konzept. Wir haben nun eine geordnete und strukturierte Vorgehensweise.“ Henning Voß, WEICON GmbH & Co. KG
Maßnahmen bei WEICON
Infrastruktur, Kommunikation, Wissen und interne Zuständigkeiten greifen ineinander. Zu den umgesetzten und weiterentwickelten Ansätzen gehören:
Elektromobilität
Ausbau der Elektromobilität bei den Poolfahrzeugen.
Ladeangebote
Kostenfreies Laden als Anreiz für Elektromobilität.
Schulungen
Interne Informations- und Schulungsangebote zu E-Fahrzeugen.
Radverkehr
Förderung des Radverkehrs durch Kommunikation und Angebote.
Bewusstsein
Mobilität stärker als Kosten- und Umweltfaktor vermitteln.
Prozessintegration
Einbindung in das Qualitäts- und Umweltmanagement.
Mobilitätsmanagement als Teil bestehender Prozesse
Bei WEICON wurde das Thema bewusst nicht als zusätzliches Sonderprojekt angelegt. Stattdessen erfolgte die Einbindung in bereits etablierte Strukturen – insbesondere in das Qualitäts- und Umweltmanagement sowie in interne Audit- und Verbesserungsprozesse.
Das hat mehrere Vorteile: Zuständigkeiten lassen sich klarer definieren, Maßnahmen können strukturiert bewertet und dokumentiert werden und das Thema bleibt dauerhaft präsent.
Zugleich wird Mobilitätsmanagement weniger als zusätzlicher Aufwand wahrgenommen, sondern als Bestandteil der regulären Unternehmensentwicklung.
Akzeptanz entsteht durch Information
Betriebliches Mobilitätsmanagement ist nicht nur eine Frage von Infrastruktur, Fahrzeugen oder finanziellen Anreizen. Mobilität betrifft persönliche Gewohnheiten und Entscheidungen.
Gerade bei der Elektromobilität erlebt Henning Voß unterschiedliche Reaktionen. Deshalb setzt er auf Information, Austausch und praktische Erfahrungen statt auf Druck.
Ein Beispiel dafür sind interne Schulungen zu E-Fahrzeugen. Sie vermitteln nicht nur technisches Wissen, sondern bieten Mitarbeitenden auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Vorbehalte anzusprechen.
„Ich möchte niemanden überreden, sondern überzeugen. Nur so ist Veränderung nachhaltig.“ Henning Voß, WEICON GmbH & Co. KG
Nicht alles liegt in der Hand des Unternehmens
Auch ein gut strukturiertes Mobilitätsmanagement stößt an Grenzen. Unternehmen können eigene Angebote schaffen, Prozesse verändern und Beschäftigte informieren. Bei anderen Themen sind sie jedoch von externen Rahmenbedingungen abhängig.
Henning Voß sieht eine besondere Herausforderung in der Qualität, Zuverlässigkeit und Attraktivität des öffentlichen Verkehrs.
Ob Beschäftigte den ÖPNV für ihren Arbeitsweg nutzen können oder ob Dienstreisen mit der Bahn praktikabel sind, hängt wesentlich von Verbindungen, Taktung und Verlässlichkeit ab.
Gleichzeitig lassen sich auch persönliche Mobilitätsgewohnheiten nicht kurzfristig verändern. Angebote müssen realistisch, attraktiv und alltagstauglich sein.
Drei Erkenntnisse aus der Praxis
Einzelmaßnahmen brauchen Struktur
Bestehende Angebote sollten gebündelt, bewertet und in ein nachvollziehbares Gesamtkonzept überführt werden.
Prozessintegration schafft Dauerhaftigkeit
Die Einbindung in Management-, Audit- und Verbesserungsprozesse hilft, das Thema langfristig im Unternehmen zu verankern.
Überzeugung wirkt besser als Vorgaben
Information, Schulungen, praktische Erfahrungen und sichtbare Vorteile helfen, Vorbehalte abzubauen und Beschäftigte mitzunehmen.
Warum sich der Zertifikatslehrgang lohnt
Der Zertifikatslehrgang zum Betrieblichen Mobilitätsmanager (IHK) bietet Unternehmen einen praxisnahen Rahmen, um Mobilität systematisch zu betrachten.
Die Teilnehmenden erwerben nicht nur Fachwissen, sondern arbeiten direkt an Fragestellungen aus ihrem eigenen Unternehmen und entwickeln ein konkretes Mobilitätskonzept.
Für Henning Voß war genau diese Verbindung von Theorie und Praxis entscheidend. Der Lehrgang half dabei, bereits vorhandene Ideen einzuordnen, neue Impulse aufzunehmen und ein strukturiertes Vorgehen für WEICON zu entwickeln.
„Es gibt in jedem Betrieb verbesserungswürdige Punkte – und häufig entstehen durch Betriebliches Mobilitätsmanagement echte Win-win-Lösungen.“ Henning Voß, WEICON GmbH & Co. KG
Betriebliches Mobilitätsmanagement im eigenen Unternehmen aufbauen
Im Zertifikatslehrgang entwickeln die Teilnehmenden das notwendige Fachwissen und erarbeiten ein eigenes betriebliches Mobilitätskonzept.
Über WEICON
WEICON GmbH & Co. KG
Königsberger Straße 255
48157 Münster
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Sonja Hellali-Milani
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s.hellali-milani@dortmund.ihk.de